Geschichte der Lepra

Lepra ist eine der ersten Infektionskrankheiten des Menschen, deren Erreger entdeckt wurde. Schon im Jahre 1873 beschrieb der Norweger Dr. Gerhard Hansen das "Mycobacterium leprae" im Hautgewebe Erkrankter. Zudem gibt es über die Lepra schon seit Jahrtausenden Berichte aus China und Indien, die sie beschreiben und auch Regeln für den Umgang mit Leprakranken festlegen. Die Krankheit, die in der Bibel als Lepra beschrieben ist, stimmt nicht ganz mit den Symptomen überein und könnte eine Gruppe von Hautkrankheiten beschreiben.

Den ersten absoluten Beweis für Lepra im Mittelmeerraum fand man in ägyptischen Skeletten aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Möglicherweise wurde die Lepra im Mittelmeerraum durch die Soldaten Alexanders des Großen eingeschleppt, als sie 327 - 326 vor Christus aus Indien zurückkehrten. Die Lepra breitet sich sehr langsam über das Abendland aus, erreichte epidemische Ausmaße im 12. bis 13. Jahrhundert und nahm dann langsam ab. In Norwegen erreichte sie nochmals einen Höhepunkt im 19. Jahrhundert, wo dann auch das Bakterium entdeckt wurde.

Den Begriff des Aussätzigen führte Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung in Deutschland ein. Dieser Begriff beschreibt die soziale Behandlung des Kranken die Isolierung von der Gesellschaft. Die Kirche im Mittelalter legte strenge Verhaltensregeln für den Umgang mit Leprakranken fest. Die bekamen ein spezielles Kapuzenkleid, Handschuhe und eine Klapper, um auf sich aufmerksam zu machen, denn auch das Anreden von Gesunden war ihnen untersagt. Ferner wurden die Kranken in Leprahäusern außerhalb der Städte isoliert, die aber meistens an verkehrsreichen Straßen lagen, um den Kranken wenigstens das Betteln zu ermöglichen.

Das Tragische an Lepra war, dass die Betroffenen selten starben, sondern zunehmend verkümmerten und deformiert wurden. Trotz ihrer weitgehenden Isolierung wurden die Betroffenen (im Gegensatz zu Pestkranken) von der Kirche versorgt und aufgefangen, da in der Bibel die Heilung der Aussätzigen oft beschrieben wurde, das Hilfe als Verhaltensregel festlegte.

Die Entdeckung des Erregers 1873 und die Erkenntnis, dass es sich um eine Infektionskrankheit handelte, verhalf den Betroffenen während der nächsten 70 Jahre noch zu keiner Verbesserung ihrer Situation, sie wurden weiterhin vorzugsweise auf Inseln isoliert.

Erst Anfang der vierziger Jahre brachte die Lepraforschung durch die Behandlung der Erkrankten mit Sulfonen erste konkrete Erfolge. Diese Medikamente töteten die Bakterien nicht ab, bremsten aber deren Ausbreitung im Körper. Seit 1963 wird das Antibiotikum Rifampicin in Kombination mit Dapson mit sehr großem Erfolg angewendet.