Was ist Lepra?

Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch das Mycobacterium leprae, welches dem Tuberkolose-Erreger sehr ähnlich ist, hervorgerufen wird. Um das Stigma der Lepra zu vermeiden, wird in viele Ländern der Ausdruck "Morbus Hansen" als offizielle Bezeichnung der Lepra verwendet.

Der Erreger der Lepra teilt sich nur etwa alle 13 Tage. Das ist extrem langsam, im Gegensatz zu anderen Bakterien wie Salmonellen oder dem Erreger von Cholera, die sich alle 20 Minuten teilen und deren Anzahl im Körper innerhalb von Tagen oder sogar Stunden zur Erkrankung führt. Die genaue Inkubationszeit ist nicht bekannt sie liegt zwischen 3 Monaten und 40 Jahren. Die Krankheit befällt meist junge Leute zwischen 10 und 20 Jahren, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind.

Das Einatmen von bazillengeladenem Staub und die Tröpfcheninfektion werden als Übertragungsweg betrachtet. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Leprabazillen durch die gesunde, unverletzte Haut eindringen. Umweltfaktoren wie unhygienische und enge Lebensbedingungen tragen zur Verbreitung der Lepra bei. Unterernährung und ein schwaches Immunsystem begünstigen die Ansteckung.

Lepra nimmt abhängig vom jeweiligen Immunsystem der infizierten Menschen verschiedene klinische Formen an. Bei Menschen, die überhaupt keine Abwehrkräfte gegen Leprabazillen haben, entwickelt sich die Krankheit als "multibazilläre Lepra", während sie sich bei Menschen mit einem stärkeren Immunsystem als "paucibazilläre Lepra" auswirkt.

Die "paucibazilläre Lepra" Form ist relativ harmlos und für gewöhnlich nicht ansteckend. Die körpereigene Immunabwehr hemmt die Vermehrung der Bakterien. Ihr typisches Anzeichen ist meist nur ein einziger, höchstens aber drei klar abgegrenzte, nichtjuckende, hypopigmentierte oder rötliche, flache oder etwas erhobene Flecken auf der Haut. Die Patienten sind an dieser Stelle gefühllos. Diese Gefühllosigkeit ist von großer diagnostischer Bedeutung, denn in Hautabstrichen sind häufig keine Bazillen zu entdecken.

Menschen, die an der "multibazillaren Lepra" leiden, sind die Hauptansteckungsquelle, wenn sie nicht mit der Kombinationstherapie behandelt werden. In solchen Menschen findet eine beinahe unkontrollierte Vermehrung der Bakterien im Gewebe statt. Diese sind in großer Anzahl in der Haut, in den periphere Nervensträngen, in der Nasenschleimhaut, in Leber, Milz und Lymphknoten, in Muskeln und anderen Organen zu finden. Narben und auch Verstümmlungen sind die Folge. Es kann auch weiters zu Haarausfall führen. Diese Form der Lepra ist charakterisiert durch zahlreiche, glänzende, nichtjuckende rote Knötchen, Geschwulste und erhöhte Flecken mit fransigen Rändern. Die befallenen Körperstellen sind nicht gefühllos, aber Hautabstriche weisen zahlreiche Bazillen auf. Diese Form der Krankheit kann auch tödlich sein.

Die Leprabazillen beschädigen die peripheren Nerven, was zu Gefühllosigkeit, Muskelschwäche oder gar zu Paralyse (wodurch die Klauenhand oder der Fallfuß entsteht) und zu trockener Haut führt. Durch den sensorischen Verlust merkt der Patient nicht mehr, wenn er sich verletzt. Diese Verletzungen führen leicht zu Infektionen, und daraus entstehen Geschwüre, die Hautgewebe, Gelenke und Knochen angreifen, so dass es zum Verlust von Gliedmaßen oder Deformationen kommt.

Lepra ist heilbar

Die Kombinationstherapie (MDT), bestehend aus Dapson, Rafampizin und Clofazimin, beeinflusst den Verlauf der Lepra auf eindrückliche Weise.

MDT ist seit 1982 die tragende Säule der Leprapolitik der Weltgesundheitsorganisation. Die Kombinationstherapie tötet die Leprazellen ab, unterbricht somit die Übertragungskette der Krankheit, heilt die Patienten sehr rasch und verhindert somit körperliche Verstümmlungen und Deformationen. Die 70 - 80 % der Leprafälle, die paucibazillärer Art, also nicht infektiös sind, können innerhalb einer sechsmonatigen Behandlungszeit geheilt werden. Die verbleibenden 20 - 30 % der Patienten, die an der multibazillären Form erkrankt sind, werden innerhalb von zwei Jahren Behandlungszeit geheilt. Kosten für die Behandlung eines Kindes betragen etwa 40 Euro für die eines Erwachsenen bei voll ausgeprägtem Krankheitsbild etwa 150 Euro.